Fünf Thesen zur Digitalen Kommunikation

Eins

Früher wurde eine Botschaft linear vom Sender A zum Empfänger B transportiert. Im digitalen Zeitalter vollzieht sich Kommunikation gleich auf mehreren Ebenen. Meine Botschaft liegt in einer Cloud und ist von allen Endgeräten zeitgleich abzurufen. Der Post auf Facebook erscheint als News auf meiner Website. Hier wird er von den Suchmaschinen erkannt und hilft mit, die Relevanz meiner Page zu erhöhen. Die Angebote meines Onlineshops sind eingebunden auf Amazon & Co. Über eine App können zusätzliche Funktionen aktiviert werden, zum Beispiel Augmented Reality (AR): mithilfe meines Smartphones werden aus Postern im Showroom oder aus Zeitschriftenanzeigen Videoclips – und ein Link führt direkt in den Webshop, in dem ich das Produkt bestellen kann.

Kommunikation geschieht medienübergreifend. Kommunikation wird möglich zwischen Akteuren, die vorher nicht erreichbar waren. Plötzlich kann ich mit einer Alexa sprechen und die Heizung in meiner Wohnung lässt sich von unterwegs regulieren. Wurden anfangs Informationen vernetzt, vernetzten sich anschließend Menschen in den sogenannten Sozialen Medien. Der nächste Schritt ist die Vernetzung von Dingen, zum Beispiel Maschinen, die bei anderen Maschinen Ersatzteile bestellen, weil ihre Sensoren melden, dass demnächst ein Bauteil ausgetauscht werden muss.

Kommunikation im digitalen Zeitalter ist dreidimensionale Kommunikation.

Zwei

Früher war Kommunikation in der Regel an einen Ort oder an eine Zeit gebunden. Die Akteure im digitalen Zeitalter sind permanent online. Es wird zusammen mit der eigentlichen Botschaft eine um ein Vielfaches größere Menge an „Metadaten“ erzeugt, gesendet und analysiert. Botschaften werden auf die Interessen des Adressaten „zugeschnitten“ und sie werden ihm erst zur Verfügung gestellt, wenn er in der Stimmung ist, sie aufzunehmen.

Heute ist jede Information zu jeder Zeit an jedem beliebigen Ort auf der Welt jedem verfügbar. Dies bedeutet aber auch: wer oder was online nicht sichtbar ist, existiert nicht (mehr). Was aber einmal im Netz ist, bleibt dort, denn digitale Botschaften lassen sich nicht wie Papier verbrennen.

Kommunikation im digitalen Zeitalter ist losgelöst von Zeit und Ort.

Drei

Je mehr Informationen auf jeden von uns einprasseln, desto selektiver müssen wir sie aufnehmen. Folglich müssen Botschaften auch unterbewusst oder emotional wirken. Das Seh- und Leseverhalten verändert sich: Inhalte bei Facebook werden kaum gelesen, sondern gescollt. In Websites wird kurz „reingeklickt“. Selbst Videos auf Youtube haben normalerweise nur eine Chance auf Verbreitung, wenn sie den Betrachter in den ersten Sekunden gefesselt haben und sie ihn keinesfalls mehr als 90 Sekunden seiner Zeit kosten.

Reine Textnachtrichten haben es immer schwerer. Wenn sie aber ein Video enthalten, steigt die Klickrate um mehr als 250 Prozent. Auch Animationen und Grafiken helfen, Botschaften „rüberzubringen“.

Wie lange hält sich der User auf einer bestimmten Seite auf? Dies ist von entscheidender Bedeutung. Nur wenn Websites relevant sind, wenn sie interessanten „Content“ enthalten, belohnt sie die Suchmaschine mit einem Platz, der innerhalb des „allgemeinen Wahrnehmungsbereichs“ liegt.

Kommunikation im digitalen Zeitalter ist nur so gut wie sie wahrgenommen wird.

Vier

Die Digitaltechnik ermöglicht nicht nur, bestimmten Zielgruppen auf sie zugeschnittene Angebote zu machen oder sogar Botschaften individuell zu personalisieren. Wir müssen davon ausgehen, dass unterschiedliche Botschaften zwischen unterschiedlichen Empfängern „die Runde machen“ können.

In Foren tauschen Fachleute ihr Expertenwissen untereinander aus, in anderen Foren geben Nutzer Tipps und Informationen an andere Nutzer weiter. Auf jede Frage meldet sich jemand mit einer Antwort. Es entstehen offene wie auch geschlossene Informations-Netzwerke, die letztendlich unser gesamtes Wissen (inklusive Halbwissen und Unwahrheiten) abbilden.

Jedes Produkt und jede Dienstleistung kann im Internet kommentiert und beurteilt werden. Kunden bewerten nicht nur Ihre Leistung, sie geben diese Kommentare an ihr „Netzwerk“ weiter. Sie „teilen“ ihre Erfahrungen, die positiven wie die negativen, und können durch massenhafte Rückmeldungen (Shitstorms) exorbitanten Druck ausüben.

Im digitalen Zeitalter wird Kommunikation mehr und mehr interaktiv.

Fünf

Wer früher Zugang zu Medien hatte, konnte beeinflussen, ob Informationen transportiert oder ob sie totgeschwiegen wurden. Was nicht in der Tagesschau erwähnt oder in der Tageszeitung zu lesen war, existierte „eigentlich“ nicht. Heute lassen sich Informationen nicht (mehr) zentral steuern oder gar unterdrücken. Wer die Kommentarfunktion auf Facebook deaktiviert, ist damit noch lange nicht unerwünschte Kritik losgeworden.

Selbst dem amerikanischen Geheimdienst gelingt es nicht (mehr), Informationen für sich zu behalten, nicht einmal unter Androhung drakonischer Strafen. Immer kann es jemanden geben, der sich berufen fühlt, Informationen digital, das heißt grenzenlos, weiterzugeben. So entstanden beispielsweise Enthüllungsplattformen, auf denen nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Dokumente anonym hochgeladen werden können.

Botschaften können ein „Eigenleben“ entwickeln. Kleiner Aufwand (oder Ursache) – große Wirkung. Manche Videoclips werden millionenfach geklickt, ohne einen einzigen Euro Schaltung gekostet zu haben. Wir erleben, dass sich Informationen wie ein Lauffeuer oder wie ein Virus digital verbreiten können.

Im digitalen Zeitalter wird es immer wichtiger, aktiv zu kommunizieren.